Lily Braun

Über die Autorin

Lily Braun, geboren als Amelia Jenny Emilie Klothilde Johanna von Kretschmann, in erster Ehe Lily von Gizycki, (* 2. Juli 1865 in Halberstadt; † 9. August 1916 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin, Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin und Journalistin.

Lily Braun. Deutsche Schriftstellerin, Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin und Journalistin. Gemeinfrei.

Als Tochter aus adligem Haus wurde sie von der sozialistischen Frauenbewegung – allen voran Clara Zetkin und Ottilie Baader – eher abgelehnt, obwohl sie sich selbst dieser Bewegung zugehörig fühlte. Clara Zetkin verriss ihre 1901 erschienene Studie ›Die Frauenfrage‹ in der sozialistischen Frauenzeitschrift ›Die Gleichheit‹. Den bürgerlichen Frauen hingegen waren ihre Ideen zu radikal. Um die Doppel- und Dreifachbelastung berufstätiger Frauen zu reduzieren, forderte Lily Braun die Herabsetzung der Arbeitszeit auf das geringste Tagesmaß. Sie propagierte neue Formen des Zusammenlebens und entwarf in einem 1901 erschienenen Aufsatz das Modell des Einküchenhauses.

Lily Braun gehörte zu den Gründungsmitgliedern des maßgeblich von Helene Stöcker initiierten Bundes für Mutterschutz. Als »ganze Halbheit« kritisierte sie die Ausgestaltung der Wöchnerinnenversicherung, da sie nicht einmal die notwendigsten Bedürfnisse von Mutter und Kind gedeckt sah, sowie die Unzulänglichkeit des Sozialversicherungswesens, das ganze Bereiche ausschloss, die als Frauenarbeit angesehen wurden. Dazu gehörten insbesondere der häusliche Dienst, die Heimarbeit und die Landarbeit.

In ihrem wohl bekanntesten Werk ›Memoiren einer Sozialistin‹ verarbeitet sie, aufgeteilt auf zwei Bände, ihre Lebensgeschichte. Briefwechsel, Erinnerungen an Gespräche und ihre eigenen Gedanken, die sie täglich in ihrem Tagebuch festhielt, geben einen detaillierten Einblick in ihr Leben.

»Und wieder las ich manche Nacht hindurch. Bei jedem Umschlagen einer Seite erwartete ich das Gräßliche zu finden, das so vielen Menschen das Recht gab, den Sozialismus zu verabscheuen und mit allen Mitteln zu bekämpfen. Aber ich fand es nicht. Nichts entsetzte mich, und wenn ich überrascht war, so nur über die Selbstverständlichkeit jeder Kritik am Bestehenden und jeder Forderung an die Zukunft. Oft lachte ich im Stillen vor Freude, wenn ich eigene, längst vertraute Ideen wiederfand; und wo meine Gedanken nicht Schritt halten konnten, sagte mein Gefühl ja und tausendmal ja. Gleiche Rechte für alle: Männer und Frauen; Freiheit der Überzeugung; Sicherung der Existenz; Frieden der Völker; Kunst, Wissenschaft, Natur ein Gemeingut Aller; Arbeit eine Pflicht für Alle; freie Entwicklung der Persönlichkeit, ungehemmt durch Fesseln der Kaste, der Rasse, des Geschlechts, des Vermögens–: wie konnte irgend jemand, der auch nur über seine nächsten vier Wände hinausdachte, sich der Richtigkeit und Notwendigkeit dieser Forderungen verschließen?!«

Lily Braun dachte für die damals vorherrschenden Ansichten weit voraus und forderte nicht nur die Gleichstellung von Mann und Frau, sondern detaillierte Ansätze, wie Mutterschaft und Erwerbstätigkeit zu verbinden.

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Romane und Erzählungen

  • Die Liebesbriefe der Marquise. Roman. 1912. EPUB MOBI